Fiat Luxus

‘Ausstellung’ Big Bang Weltkrieg. Die Bombe hat eingeschlagen und hinterlässt ein großes Loch.

Der Deutsche findet sich als Verliere auf den traurigen Überresten seiner Welt wieder – Schuldige, Peiniger, Geschädigte und vor allem unendlich viele Tote sind die Bilanz dessen, wofür er gekämpft hat. Ein Wust an Geschehnissen, die es zum besprechen und verarbeiten gelte. Das Unsagbare will in Worte gefasste werden, doch der Schock sitzt tief. Außerdem gibt es wichtigeres zu tun, denn die Stadt ist zerstört. „Ärmel hochgekrempelt“ heißt es und „Rama dama“, und „Schaffe, Schaffe, Häusle baue!“. Aus ihren Trümmern baut sich die Nation wieder auf. Plackerei und Schweiß erleichtern das Vergessen, Nachdenken später! Ein Volk definiert sich neu: aus guten Soldaten werden gewissenhafte Arbeiter, Wirtschaftswunder statt Totaler Krieg.

Wie nach einem Vulkanausbruch beginnt blühendes Leben auf der verbrannten Erde zu sprießen. Auf harte Arbeit folge der Lohn: die goldenen Jahre haben begonnen. Allein zwischen 1955 und 1957 verdoppelte sich die Produktion in Großbritannien und den USA, in Frankreich und der UdSSR stieg sie auf fast den dreifachen Wert. In Westdeutschland noch etwas mehr und in Japan auf mehr als das Fünffache. Dem Wachstum scheinen keine Grenzen gesetzt. Man produziert in Massen. Das Grau ist plötzlich bunt geworden und hysterisch grinsende Familien in Technicolor preisen das Glück der zahlreichen, immer erschwinglicheren Konsumgüter. Als allen Kanälen tönt er fröhlich.

Gleichsam einem Neu-Delfi findet das Kapital Antwort auf alle Fragen und absorbiert so unzufriedene Kräfte. Veränderungswünsche und damit verbundene Utopien werden geschluckt – Ökonomie als letzte Instanz jeder Entscheidung, Vielfalt und Komplexität menschlichen Lebens reduziert auf ein Leitbild.

Doch 50 Jahre Wunder sind genug. Säkularisierung der Wirtschaft – jetzt! Grenzen des Ökonomismus sind aufgezeigt und es regt sich Unbehagen, eine suche nach neuen Werte und Leitbildern hat begonnen: Wir wollen Reformation! Ziemlich barock bäumen sich da die Werbeexperten auf und schütteln Erlebnisse oder gleich ganze Produktwelten aus dem Ärmel, das Produkt als ein Gefühl: Gegenreformation.

Und wo bleibt die antwort? Vielleicht pfeift sie der Wind.

Bergwiesen – Audiocollage…

 

Blühende Bergwiesen 1953 ist ein Bild für Bild animiertes Video. Es mische Bilder des in Trümmern liegenden Deutschlands mit den ersten Aufkommen populärer Massen und Konsumkultur. Die Wiederaufbauphase und die Zeit des Wirtschaftswunders fließen ineinander über. Aus qualmenden Schutthaufen in den Städten werden idyllische Berglandschaften. Der Begriff Heimat wird wieder erträglich, vielmehr zum Heilversprechen einer vom Bombenhagel erschütterten Generation.

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